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wenn sie älter werden

Damals war`s …

13. August 2007 | Von

Folgendes vorweg: ich bin Jahrgang 1958, meine Töchter wurden 1986, 1990 und 1993 geboren. 1986 hatte ich einen wirklich gutbezahlten Job in der Pharmaindustrie, war seit 6 Jahren verheiratet und wir haben zusammen richtig gut verdient.
Als ich schwanger war, hatten wir die Hoffnung, ich könne nach Ablauf von Mutterschutz und Erziehungsurlaub (10 Monate) für halbe Tage in meiner alten Firma arbeiten. Meine Mutter wollte ihr Enkelkind gerne für 5 Stunden betreuen. Das Geld hätten wir gut brauchen können, da wir gerade eine Eigentumswohnung gekauft hatten.
Falsch gedacht!
Halbe Tage ging nicht und einen Ganztagsjob?! Nein, das fanden mein Mann und ich nicht richtig. Wenn Kind, dann Kind.
Heute, 21 Jahre später, bin ich immer noch froh, daß wir uns damals so entschieden haben. Meine Mutter wurde schwer krank als meine Tochter 3 Jahre alt war und starb ein Jahr später und ich bin dankbar, daß wir drei Frauen eine Menge netter, stressfreier Stunden miteinander hatten.
Aber natürlich war das nicht vorhersehbar und ich habe mich brav arbeitslos gemeldet. Wurde aber nichts.
Also fing mein Hausfrau- und Mutterdasein an. Für jemanden wie mich nicht einfach. Kleinkindkrabbelgruppe, private Krabbelgruppe, Gespräche über Kindererziehung, Windeln und Babynahrung. Mann-o-mann!
Sehr wenig Theater- und Kinobesuche, Essengehen, Parties, …
Aber mein Mann und ich sind zusammengerückt, haben auch die "Saure-Gurken-Zeit" durchgestanden, haben leise gekuschelt (die wilden,hemmungslosen Zeiten waren dann doch irgendwie vorbei), sind nicht ohne Kind in den Urlaub gefahren und haben noch zwei Töchter bekommen.
Und in der privaten Krabbelgruppe haben wir Menschen kennengelernt, mit denen uns heute eine gute Freundschaft verbindet.

Ich habe wieder angefangen zu arbeiten, als unsere Jüngste sechs Jahre alt war, die Älteste dreizehn.

Aber natürlich hatte ich da viel Glück , einen Halbtags-Job zu finden. Oh, ich verdiene nicht besonders viel, aber ich trage zum Einkommen bei und zahle in meinen Rententopf. Und – ganz wichtig – ich komme wieder raus. Ich könnte jetzt auch wieder Ganztags arbeiten, aber ich will nicht unverschämt sein.

Tja, ich bin wohl keine Karrierefrau oder so. Aber ich habe einen tollen Mann, auf den ich mich immer verlassen kann, der im Garten mitwurschtelt, der im Haushalt hilft und eben da ist – eben einen richtigen Schatz.
Ich habe gerade heute eine Reportage über Frauen gesehen, die Mann und drei Kinder haben und zehn Stunden arbeiten gehen. Toll!! Aber zu welchem Preis? Das bleibt abzuwarten.

Heute sind die Mädels längst so weit, daß wir wieder mit gutem Gewissen an uns denken können. Natürlich, auch wenn sie schon älter sind, brauchen sie unsere Zuwendung in Wort und Tat. Aber mein Mann und ich setzen uns wieder einfach aufs Fahrrad und fahren in den Biergarten, treffen uns mit Freunden. Wir haben wieder ein Theater-Abo und kennen die neuesten Kinofilme! Jawohl! Und Parties? Kein Problem!

Alles im Leben hat seine Zeit: arbeiten,lieben, Kinder großziehen, immer noch lieben, sich wieder auf sich und den Partner besinnen. Und arbeiten.

Altmodisch? Vielleicht!

Ich habe jedenfalls nicht bereut, mein Leben – unser Leben - so organisiert zu haben. 

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